Die Bären sind los: Über die Braunbären im Trentino

Über die europäischen Braunbären in Italien: Lebensweise, Verhalten bei Begegnungen, Fotos, Videos und Stories rund um die Bären im Trentino.

Die Bären sind los: Über die Braunbären im Trentino

Über die europäischen Braunbären in Italien: Lebensweise, Verhalten bei Begegnungen, Fotos, Videos und Stories rund um die Bären im Trentino.

Die Bären sind los: Über die Braunbären im Trentino

Über die europäischen Braunbären in Italien: Lebensweise, Verhalten bei Begegnungen, Fotos, Videos und Stories rund um die Bären im Trentino.


Der europäische Braunbär ist das größte an Land lebende Raubtier auf dem europäischen Kontinent. Einst bevölkerten die Braunbären ganz Europa. Heute sind sie zur Seltenheit geworden. Schuld daran war die Jagd und vor allem der Verlust ihrer Lebensräume, denn so ein Braunbär braucht viel Platz. Wälder mit zusammen hängenden Flächen von 100 Quadratkilometern gibt es nicht mehr allzu häufig und so wurden die Tiere fast ausgerottet. Im Jahr 1999 wurden mit dem Ziel der Neuansiedlung in Norditalien im Adamello-Brenta Naturpark Jungbären aus Slowenien und Kroatien ausgesetzt. Mit Erfolg. Vor allem in der Region Trentino haben die europäischen Braunbären wieder eine Heimat gefunden.


08.11.2020, Andrea-Claudia Delp

Der Braunbär: Eine Tierart stellt sich vor.

Die meisten Braunbären Europas leben in den Karpaten. In Italien findet man sie in der Region Abruzzen in Mittelitalien und vor allem im nördlich gelegenen Trentino. Mindestens 63 ausgewachsene Braunbären sind es in der Region Trentino – mitsamt Würfen geht man aktuell von etwa 90 Exemplaren im Trentino aus. Die Population ist dabei stark gewachsen. Seit dem Jahr 2015 hat sich die Zahl der Bären in der Region verdoppelt. Die Überlebensrate der Jungtiere ist hoch, sie liegt bei rund 90 %, bei weiblichem Bären-Nachwuchs im Trentino sind es sogar 97 %.

Der europäische Braunbär (Ursus arctos) kann zwischen 100 und 350 Kilogramm schwer werden. Wenn sich ein Braunbär aufrichtet, erreicht er eine Größe von eindrucksvollen 1,70 bis 2,20 Metern. Die männlichen Exemplare sind dabei in der Regel größer als die Weibchen. Ein Vorderfuß des Bären misst etwa 16 Zentimeter und die Krallen sind etwa 8 cm lang. Die hinteren Tatzen umfassen sogar 26 Zentimeter. Diese Krallen, die etwa so lang sind wie ein menschlicher Finger sind, kann ein Bär im Gegensatz zu Katzen nicht einziehen. Bären sind so genannte Sohlengänger, sie treten bei der Fortbewegung mit der ganzen Sohle auf. Ausserdem sind sie hervorragende Kletterer.

In Sachen Wahrnehmung verlassen sich Bären vor allem auf ihr Gehör und ihren Geruchssinn. Ihre Augen sind mittelmässig gut - etwa so wie bei einem Menschen. Bären haben zudem einen sehr guten Orientierungssinn. Über das Alter der Bären gibt es nur begrenzte Informationen. Man geht davon aus, das der europäische Braunbär in freier Wildbahn etwa 20 bis 30 Jahre alt werden kann. Im Schnitt erreichen die Tiere aber nur 6 Jahre Lebenszeit, denn noch immer gibt es Länder, in denen die Bären gejagt werden.

Gerade Braunbären brauchen übrigens relativ lange, um aufzuwachsen. Vollständig ausgewachsen sind sie erst mit 10 bis 11 Jahren. Geschlechtsreif sind sie aber schon vorher - im Alter zwischen vier und sechs Jahren. Der Bärennachwuchs bleibt etwa 4 Jahre bei der Bärenmutter, bis zu einem Alter von 2 Jahren werden sie gesäugt. Geboren werden die Jungen in der Regel zwischen November und Februar, also während der Winterruhe. Bis zu 40 kg Futter nimmt eine Bärin zu sich, bevor sie dann vor der Geburt in die Winterruhe geht. Nachwuchs gibt es alle ein bis vier Jahre. Darüber hinaus sind Bären Einzelgänger.

Braunbaeren


Wo leben die Braunbären im Trentino?

Die Population der Braunbären konzentriert sich auf den Westen der autonomen Provinz Trient (Trentino). Im Gebiet der Brenta-Dolomiten rund um die Ortschaft Madonna di Campiglio, rund um das Tal Val di Sole, beim Tal Val di Non, in den Giudicarie nahe des Gardasees und auch rund um den Gebirgszug Monte Bondone, der sich neben dem Gardasee erhebt. Nur vereinzelt wandern die pelzigen Tiere weiter und tauchen in Südtirol oder im Gebirgszug Lagorai auf.

In der Schweiz, im Piemont, in Friaul Julisch-Venetien und in der Lombardei wurden vereinzelte Tiere geortet. Vor allem die Männchen wandern aus, die Bärinnen dagegen sind deutlich sesshafter. So kam im Jahr 2006 auch der Bär Bruno aus dem Trentino über Österreich bis nach Deutschland. Unterwegs riss er Schafe, Hühner und andere Haustiere. Nach seiner Einwanderung nach Bayern wurde er zum Problembären erklärt – aufgrund seiner Vorliebe für Schafe. Nach mehreren Versuchen, Bruno lebendig zu fangen, wurde er schließlich zum Abschuss freigegeben und am 26. Juni 2006 erlegt.


Baeren-Lebensraum-Trentino


Der Problembär Bruno.

Bruno war ein großes Medienereignis, bis in die USA sprach sich die Geschichte des räuberischen Gesellen herum. Heute kann man ihn in präparierter Form im Museum im Schloss Nymphenburg in Bayern bewundern. Brunos Bärenmutter Jurka zeigte – genauso wie Bruno selbst – keinerlei aggressive Ambitionen gegenüber Menschen. In Italien wurde nie in Erwägung gezogen, das Tier zum Abschuss freizugeben. Anders Brunos Bruder, der keine Scheu vor Menschen zeigte: Er wanderte in die Schweiz und plünderte dort Abfallcontainer – er wurde im Jahr 2008 erlegt.

Im Val di Sole, das von Bozen aus sehr gut erreichbar ist, gibt es eine Schutzhütte in den Bergen, die nach Bär Bruno benannt wurde: Die Schutzhütte Orso Bruno auf dem Monte Vigo. In Madonna di Campiglio – also mitten im Bärengebiet – findet sich zudem ein Wanderweg namens Sentiero dell'Orso (Bärenwanderweg). Nicht, dass einem hier tatsächlich Bären begegnen würden. Die umgebende Natur allerdings lässt Wanderer den typischen Lebensraum des Braunbären erkunden.

Dass Bären übrigens sehr gut wissen, wann sie am kürzeren Hebel sitzen und eher scheue Tiere sind, zeigt das folgende Video eines Bären, der im Trentino auf eine Kuh trifft.


Professioneller Ausbrecher im Trentino: M49.

Eher selten werden auch im Trentino Braunbären eingefangen. In der Regel ist das dann der Fall, wenn sie gefährlich werden. Ein spektakulärer Fall ist auch der Bär M49, der mehrfach gefangen genommen wurde und dann wieder ausgebrochen war. Aufgrund dieser Geschichte wurde er als Ausbrecherkönig berühmt. Sie trug ihm auch den Spitznamen Papillon ein. M49 oder Papillon ist ein Politikum: Tierschützer möchten den Bären in Freiheit sehen, die Bauern der Region haben Angst um ihren Tierbestand und gegebenenfalls auch vor Übergriffen auf Menschen.

Der Bär M49 hat keine Angst, in menschliche Siedlungen einzudringen und genau das macht den Bären zum Risiko. Auch wenn es einen ernsten Hintergrund gibt: Das folgende Video ist eher niedlich und belustigend, denn M49 begegnet auf einem Bauernhof einer Hauskatze. Die Reaktion des Bären wirkt nicht gefährlich und dennoch ist ein Braunbär selbstverständlich kein putziges Spielzeug.


Gibt man den Bären in Italien und anderswo tatsächlich Namen?

Die Bären im Trentino sind auch unter reichlich merkwürdigen Namen bekannt: JJ1 ist die eigentliche Bezeichnung des Bären Bruno, sein Bruder ist als JJ3 bekannt. Die seltsamen Bezeichnungen haben unterdessen natürlich nichts mit echten Namen zu tun, sondern sind Registrierungsnummern der Bären.

Überwacht und identifiziert wird die Population mit Hilfe genetischer Methoden unter Verwendung von organischen Proben wie dem Fell, Urin, Speichel oder Gewebeproben. Auch Foto- und Videofallen tragen dazu bei, das Leben und die Entwicklung der Bären in Beobachtung zu halten. So tauchen immer wieder Bilder von Bären in der Region Trentino auf und diese lassen sich häufig auch einem bestimmten Bären zuordnen. Sender tragen die Tiere zur Verfolgung nicht. Zuständig für die Überwachung der Bärenpopulation in der Region ist die autonome Provinz Trient.




Wie wahrscheinlich ist es, einem Bären zu begegnen?

Kurz gesagt: Es ist eher unwahrscheinlich. Untersuchungen im Jahr 2015 haben gezeigt, dass die Bären im Trentino die Nähe der Menschen meiden. Wo auch immer zu bestimmten Tageszeiten verhältnismässig viele Menschen sind, ziehen sich die Bären zu genau diesen Zeiten zurück. Sie bewegen sich dagegen ausserhalb der stark durch Menschen geprägten Tageszeiten – also beispielsweise am sehr frühen Morgen und bei Sonnenuntergang – vollkommen frei.

Im Winter gehen die Tiere in eine Winterruhe über. Einen Winterschlaf dagegen gibt es bei den Braunbären nicht. Dafür nutzen sie gerne natürliche Höhlen, in denen sie es sich mit Gras, Laub und Moos richtig gemütlich machen. Mit der Kälte des Winters hat das allerdings nichts zu tun. Vielmehr überbrücken die Bären damit eine Jahreszeit, in der es schlicht weniger Nahrung gibt. Im Herbst legen sie Gewicht zu; mit Hilfe von Nüssen, Samen, Beeren und ähnlichem. Ein richtig tiefer Schlaf ist die Winterruhe der Bären nicht. Sie sind stets bereit, ihre Höhle zu verteidigen. Da sie ihre Höhlen oft über Jahre hinweg benutzen, ist es keine gute Idee in der Bärenregion in einsamen Felsspalten und Höhlen herum zu schleichen.



Begegnungen mit Menschen.

Zur Begegnung zwischen Bären und Menschen kommt es eher selten. Ausgeschlossen ist es jedoch nicht. Berühmt ist die Begegnung eines Braunbären mit einem Jungen, der mit seinem Vater im Trentino auf Wandertour war und sich mit einem reichlich großen Exemplar konfrontiert sah. Der Vater filmte das Geschehen.

Im Video kann man eine typische Verhaltsweise der Bären beobachten: Der Bär richtet sich auf. Dabei handelt es sich nicht um eine Drohgebärde, sondern einfach um einen besseren Überblick. Denn: In der Regel stehen Menschen nicht auf der Liste der Bärennahrung. Vielmehr kommt es in der Regel zu Angriffen durch Bären, weil sich diese bedroht fühlen. Das ist insbesondere bei Bärenweibchen mit Jungen der Fall. Deshalb lautet das oberste Gebot bei einer Begegnung mit einem Braunbären: Nichts tun, das für den Bären bedrohlich wirkt.

Aus dem Jahr 2018 stammt dieser schöne Beitrag des ORF rund um eine Begegnung mit einem Bären und einem Motorradfahrer.


Unterwegs im Reich der Bären - So verhält man sich richtig.

Muss man Angst haben, im Trentino unterwegs zu sein? Diese Frage stellt sich nun möglicherweise. Die Antwort lautet: Nein. Zu selten sind die Begegnungen zwischen Menschen und Bären, so dass Bären keine ständige Gefahr darstellen. Sinnvoll ist es aber, sich mit ein paar Grundregeln für den Fall der Fälle vertraut zu machen.

  • Insbesondere im Herbst und Winter sollte man den Besuch einsamer Höhlen und Felsspalten vermeiden. Zu groß ist die Gefahr, dass man in einem winterlichen Bärenschlafzimmer landet. Die wachsamen Tiere mögen Eindringlinge nicht.
  • Bären ziehen sich meist zurück, bevor wir sie überhaupt entdeckt haben. Entdeckt der Bär doch einen Menschen, richtet er sich oft auf. Das ist nicht als Drohgebärde zu verstehen. Vielmehr bietet die aufrechte Position einen besseren Überblick.
  • In der Regel verhalten sich Bären eher Scheu den Menschen gegenüber. Deshalb sollte man insbesondere in einsamen Gegenden oder in sehr wildem Gelände nicht geräuschlos unterwegs sein. Oft wird sogar dazu geraten, ein kleines Glöckchen an den Wanderschuh zu binden, so dass Bären schon verschwinden, bevor es überhaupt zu einer näheren Begegnung kommt. Bären wissen genau, wo Menschen unterwegs sind und meiden diese Stelle eher. Deshalb sollte man sich auf den Wegen halten.
  • Wenn einem ein Bär begegnet, ist ein langsamer Rückzug ratsam. Hektisches Weglaufen dagegen ist keine gute Idee - Bären sind schneller als Menschen. Weglaufen kommt nur dann in Frage, wenn man innerhalb weniger Meter einen sicheren Ort wie ein Auto erreichen kann. Auch laute Geräusche sind in diesem Fall zu vermeiden; der Bär könnte sie als Drohung auffassen. Auf gar keinen Fall sollte man einen Bären mit Gegenständen bewerfen, denn auch das ist eine Drohung aus Sicht des Bären.
  • Sofern man einen Bär sichtet, der einem noch nicht entdeckt hat: Mit ruhiger Stimme sollte man dann auf sich aufmerksam machen, so dass der Bär einem als Mensch einordnen kann. Bären können nicht sonderlich gut sehen, kennen aber menschliche Stimmen.
  • Bären führen Scheinangriffe aus. Das bedeutet, sie tun so, als ob sie attackieren würden. Sinn und Zweck der Sache ist das Vertreiben von Eindringlingen - es kommt dabei nicht zum Kontakt mit dem menschlichen Körper. Scheinangriffe den Menschen gegenüber sind aber äusserst selten.
  • Wenn ein Bär angreift, wird dazu geraten, sich mit dem Gesicht nach unten auf den Boden zu legen. Man stellt sich sozusagen tot und vor allem ungefährlich für einen Bären.
  • Bäume bieten keinen Schutz, denn Bären sind hervorragende Kletterer. Die Flucht auf einen Baum hinauf ist gegebenenfalls sogar eine Einladung für den Bären, denn was einem bedroht, läuft gegebenenfalls auch weg.
  • Hunde sollte man im Bärengebiet auf keinen Fall frei laufen lassen. Wenn ein Hund einen Bären anbellt, dann fühlt sich der Bär sehr wahrscheinlich bedroht. Läuft der Hund dann vor dem Bären davon und zum Besitzer, führt er den Bären auf diese Weise direkt zum Menschen.
  • So niedlich sie auch sind und möglicherweise sogar neugierig: Von Bärenjungen sollte man sich unbedingt fernhalten. Die Bärenmutter ist garantiert nicht weit weg und gerade Bärinnen mit Nachwuchs fühlen sich und die kleinen Bären durch Menschen bedroht.
  • Bären sollte man nicht füttern. Wie sie einmal Nahrung gefunden haben, kehren sie zurück und lernen, dass Menschen als Futterlieferanten geeignet sind. Müll und auch Proviant sollten sehr sicher aufbewahrt werden, so dass Bären kein potentielles Interesse durch Gerüche entwickeln. Auch in oder vor einer Hütte oder ähnlichem solltest Du nichts liegen lassen.


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